Was bedeutet KCB? Klar, weiß ja jeder: Kanu-Club Bietigheim! Und was macht ein Kanu-Club im Ötztal? Auch klar: Kanu fahren natürlich! Und das nun schon seit elf Jahren! Mit nur einer einzigen Pause (in Corona) zieht es die Bietigheimer Paddler Anfang Oktober alljährlich in das gemütliche Bauernhaus im kleinen Ortsteil Habichen nur wenige Gehminuten von der Ötztaler Ache entfernt. Und da sich nach all dieser Zeit natürlich herumgesprochen hatte, welch lohnenswertes Programm diese Ausfahrt bietet war das Quartier natürlich in nullkommanichts ausgebucht. Nicht schlimm: auch damit hat unser Verein Erfahrung und mietete kurzerhand noch ein paar Wohnungen in unmittelbarer Umgebung mit an. Nach ein wenig Betten-Tetris (wer schläft wo und mit wem?) war auch diese Herausforderung bewältigt und als am Freitagabend die ersten von insgesamt etwa 30 erwartungsvollen Kanuten eintrafen drehte sich alles nur noch um die Frage: was wollen wir in den kommenden Tagen erleben? Viele Angebote gab es die letzten Jahre, jedes Mitglied konnte sich mit seinen Ideen und Wünschen einbringen: neben dem ultimativen Paddeln auf dem Inn und verschiedenen Abschnitten der Ötztaler Ache setzte man sich gemeinsam aufs Mountainbike, wagte sich auf die verschiedenen Klettersteige, schnürte die Wanderschuhe oder ging beim Canyoning an seine Grenzen. Und so sollte es auch 2024 sein!



Doch dass die Natur und Outdoorsport in derselben nicht berechenbar sind hatte der Club schon im vergangenen Jahr einmal mehr festgestellt: kurz zuvor hatte ein Jahrhunderthochwasser die Ötztaler Ache in völlig verändertem Zustand zurückgelassen. Die Wettkampfstrecke mit ihren charakteristischen Kernstellen war kaum noch wiederzuerkennen und der berühmt berüchtigte „Championskiller“ – eine etwa fünf Meter hohe Stufe – war einfach verschwunden und dem Erdboden, nein, den Wasserfluten gleichgemacht. Spannend in diesem Zusammenhang auch die Befahrung der Unteren Ötz bis zur Area 47. Die altbekannte Wildwasserstrecke hatte sich mit völlig neuen Schikanen präsentiert.



Dieses Jahr jedoch fühlten sich die Bietigheimer souverän: schließlich meinte man, die veränderten Bedingungen nun gut genug zu kennen. Ungewöhnlich viel Regen hatte jedoch im Vorfeld die Stauseen des Inn befüllt, was zu einem beinahe ständigen Abfluss des Wassers in die Strecke Imster Schlucht führte. Zwar zeigte der Pegel „nur“ gutes Mittelwasser, doch auch dies sorgte für einige Überraschungen: natürlich waren hohe Wellen in den Gewässern des Inn bekannt, doch die in diesem Jahr stattfindende Achterbahnfahrt war so noch nicht erlebt worden! Gekonnt mussten die bunten Boote durch die Fluten gesteuert werden. Die beiden zum ersten Mal ins Ötztal gereisten Jugendlichen jubelten vor Freude und so manch erwachsener Paddler wurde vom ein oder anderen unerwartet auftauchenden, hinterlistigen Kehrwasser erheblich aufgemischt. So mancher Schwimmer konnte nicht vermieden werden – was im tiefen Gewässer glücklicherweise ohne jeden Steinkontakt ablaufen konnte – und die ganz Unerschrockenen nutzten die spannenden Spielstellen zum Surfen und Unterschneiden.



Doch damit nicht genug: die erfahrenen Könner wagten sich in den weiteren Tagen an die Obere Ötz, die Köfelser Strecke und an die Sanna. Auch hier herrschten gute mittlere Wasserstände und sorgten für viel Paddelspaß. Besonders die Sanna, die vor mehreren Jahren durch den Abgang einer Mure und anschließende Baggerarbeiten an Attraktivität verloren hatte, zeigte sich in diesem Jahr wieder renaturiert und bildete ein weiteres Highlight der Paddelwoche.
Viel Wasser also in den Bächen – so erfreulich, so gut. Doch das Motto „Wasser“ begleitet die Ausfahrt dieses Jahr durchgehend: indem es zum Beispiel vom Himmel fiel. Und fiel. Und immer noch mehr. Canyoning? Zu viel Wasser in den Klammen – außerdem war der Canyoning-Experte dieses Jahr aus gesundheitlichen Gründen leider ausgefallen. Klettersteig? Zumindest anfangs der Woche zu glitschig! Aber manchmal heißt KCB eben auch: Kreativer Club Bietigheim! Langeweile sollte nicht aufkommen. Neben paddeln, paddeln und paddeln (wo ist man bei nassem Wetter am besten aufgehoben? Richtig, im Nassen!) konnte man: das Örtchen Oetz und seine tollen Shopping-Möglichkeiten erkunden, tolle Wanderungen auf die angrenzenden Berge unternehmen (Regenklamotten sei Dank) und mit so manchem Neuling die verschiedenen Abschnitte der Ötztaler Ache besuchen (wieder die Regenklamotten). Karten spielen, Paddelgeschichten erzählen und – besonders wichtig – der tägliche Besuch im Cafe Heiner! Egal, was vorher unternommen wurde: Kuchenbuffet und Pizza/ Pommes waren Pflicht, um verbrauchte Kalorien wieder aufzufüllen! Dass der Wirt des Lokals alle KCBler am letzten Abend mit Handschlag begrüßte spricht für sich! Gekocht wurde trotzdem: während manch einem in der Saune unseres Bauernhauses der Schweiß aus den Poren trat gab es immer eine Truppe, die in der gut ausgestatteten Küche das Abendessen für bis zu zwanzig Mann (und Frau) zubereitete. Denn manchmal heißt KCB vielleicht auch: Kulinarischer Club Bietigheim?
Ach ja: im zweiten Teil der Woche ließ sich auch die Sonne wieder öfter sehen. Also wurden noch schnell die Klettersteige unsicher gemacht (Kletter-Club Bietigheim!)!



